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30. Weihetag der neuen Wendelinuskapelle –

Erste Annäherung

Wir geben es offen zu: Wir waren, als wir uns in Obernburg niederließen, durch die Häufung von „Wendelins“ in der jüngeren und älteren Stadtgeschichte durchaus überrascht, ging doch damals noch unsere erste Assoziation zu diesem Namen an eine Zeichentrickeinlage, die einer bekannten Quiz-Sendung in den 70er und 80er Jahren als humorvolle Unterbrechung diente.

Die alte Wendelnuskapelle

Erinnert sei aber an dieser Stelle zunächst an die alte Wendelinuskapelle, die im Jahre 1969 dem Straßenbau weichen musste. (Danke an Heinz Janson für die historischen Fotos.) Kurze Gedanken hierzu haben wir auf der Homepage des Heimat- und Verkehrsvereins gefunden, und zwar dort interessanterweise bei der Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde. Als nämlich nach dem zweiten Weltkrieg die Gründung einer evangelischen Pfarrgemeinde in Obernburg beschlossen und vollzogen wurde, hielten unsere protestantischen Glaubensgenossen in der ersten Zeit ihre sonntäglichen Messen in der Wendelinuskapelle ab, die ihnen mit Zustimmung des Ordinariats zur Verfügung gestellt wurde. Sie war natürlich klein und ersichtlich nur ein Notbehelf in Zeiten des Aufbaus. Gleichwohl sei dieses schöne Zeichen noch dazu vorkonziliarer Ökumene wachgehalten. Man wünschte sich, hieran bei der Vertiefung der Ökumene anknüpfen zu können. Verstecken muss sich unsere Pfarrgemeinde mit dieser Aushilfe jedenfalls nicht.

Festmesse

Die werktägliche Festmesse aus Anlass der 30-jährigen Weihe wurde von Pfarrer Simon im besonderen Gedenken an die Freunde, Förderer, Unterstützer und Helfer der Kapelle gefeiert. Die Kapelle war bis auf den letzten Platz gefüllt, und Pfarrer Simon unterstützte dieses innige Gemeinschaftsgefühl durch sehr persönlich gehaltene Schilderungen. Sein Großvater war der auf den heiligen Wendelin getauft. Dies habe sich auf seine Mutter übertragen, die im Lokalkolorit seines Ortes „‘Dendels Else‘“ gerufen worden sei.

Er erinnerte sodann an die Geschichte des Neubaus, beginnend mit dem Abriss der alten Wendelinuskapelle im Jahr 1969, die dem Straßenbau weichen musste. Das Landesdenkmalamt hatte dem Abriss nur unter der Bedingung eines Neubaus zugestimmt, zu dem es zwar erst im Jahre 1985 kam, dann aber sehr schnell: Nachdem der erste Spatenstich im Oktober 1985 erfolgte, fand die Einweihung bereits 1986, also vor 30 Jahren, statt. Erhalten hat sich von der alten Kapelle nur noch die Wendelinus-Statue. Pfarrer Simon, damals Pfarrer in Großwallstadt, konnte aus jener Zeit von ersten persönlichen Begegnungen berichten, wie derjenigen, dass die neue Wendelinuskapelle mehrfach Ziel von Nachtwallfahrten aus Großwallstadt gewesen sei oder dass er bei privaten Ausflügen die Kapelle gerne als Ort der Rast und des Innehaltens angesteuert habe.

In seiner Predigt ging Pfarrer Simon dann auf die Person des Heiligen selbst ein, der um 600 herum lebte und wirkte. Auch hier stellte er eine persönliche örtliche Annäherung voran in Form einer Fahrt nach St. Wendel im Saarland und konnte erzählen, das dieses als Stadt schon dem Heiligen nach benannt worden sei. In der dortigen Basilika wird Wendelin in einem Hochgrab aufbewahrt, so dass man sich auch örtlich „‘unter den Schutz‘“ des Heiligen stellen kann. In der nahe gelegenen Wendalinuskapelle werde man an das Eremitenleben des Heiligen erinnert.

Die Lebensgeschichte des Heiligen verliere sich, so Pfarrer Simon weiter, zum Teil in Legenden des Mittelalters. Ein Teil der Historiker halte ihn aufgrund seines Namens für fränkischer Herkunft, die überwiegende Forschung ordne ihn aber als schottischen Edelmann ein, möglicherweise Königssohn, der von einer irische-schottischen Mönchsbewegung beeinflusst wurde. Auf einem seiner Wege durch Deutschland habe er bei einem Landadeligen um Almosen gebeten, sei von diesem aber angeherrscht worden, er möge für sein täglich Brot arbeiten. Diesen Wink befolgte Wendelin und hütete fortan die Schafe und Ziegen des Adligen. Dabei fand er seinen ganz persönlichen Weg zu Gott einerseits als Hirte, andererseits aber auch als Einsiedler, der Gott im Gebet in der Abgeschiedenheit der Natur fand. Es wird berichtet, dass seine Herde nie von Krankheit heimgesucht und auch keines seiner Tiere von Raubtieren gerissen wurde. Im Gegenteil erkundigten sich sogar die Bauern der Umgebung bei ihm und erbaten Ratschläge.

Pfarrer Simon spannte aber auch den Bogen in die Jetzt-Zeit und fragte nach dem Vorbildcharakter von Wendelin für uns heute, 1500 Jahre später. Er sei uns Vorbild in der Achtsamkeit gegenüber der Natur, die uns mit Umweltverschmutzung, Klimaerwärmung, auch Lebensmittelverschwendung vielfach abhandengekommen sei. Eine Rückbesinnung tue gut. Wendelin könne uns mit dem Leben in Abgeschiedenheit zudem Mahner sein, einmal Fernseher, Handy oder auch das eigene Mundwerk abzuschalten, um zu innerer Ruhe in unserer lauten und hektischen Zeit zu kommen.

Ökumenische Aspekte

Mit großem Beifall dankten die Gläubigen einer Grußadresse unserer evangelischen Mitbrüder. Pfarrer Stefan Meyer gratulierte mit einfühlenden Worten zum 30-jährigen Weihetag und bedankte sich nochmals sehr herzlich für die ökumenische Unterstützung in den 40er und 50er Jahren, indem die alte Wendelinuskapelle der neu gegründeten evangelischen Pfarrgemeinde einige Jahre zur Verfügung gestellt wurde. Dies wäre bei den älteren Gemeindemitglieder noch in bester Erinnerung und für sie dauerhaft verbunden mit ihrer Konfirmation und anderen Ereignissen.

Gerne gratulierte die Festgemeinde einem anwesenden Namenstagskind.

Dank und Empfang

Mit Beifall bedankten sich die Gläubigen schließlich beim Jugendchor Kantilene und Erwine Knecht für die musikalische Begleitung, bei den Messdienern, bei allen Freunden und Förderern der Wendelinuskapelle, allen voran Karl und Rita Reichert und schließlich bei dem unbekannten Stifter und Spender für die nachfolgende Einladung in die Salztrögstuben.

Pfarrer Simon konnte nämlich die Gläubigen aufgrund einer Spende anstelle eines „‘Gehet hin‘ (in Frieden)“ mit einem „‘Bleibet beisammen‘ in die Salztrögstuben zu einem Sektempfang mit üppigem abendlichen Imbiss bitten. Dabei fand sich Gelegenheit zu Gesprächen und zum Austausch von Anekdoten, gerade zur Wendelinuskapelle. So erfuhren wir, dass ursprünglich wohl die Planung dahin ging, die alte identisch wiederaufzubauen. Diese Idee wurde aber zunichte gemacht durch die etwas ruppige Vorgehensweise des Abrissunternehmers. Jedenfalls aber lagerten noch jahrelang nummerierte Steine der alten Wendelinuskapelle auf dem Betriebsgelände des Bauhofs, wie ein Ferienjobber von anno dazumal aus sicherer Erinnerung zu berichten wusste.

Spätestens jetzt können wir den Einheimischen wie auch den Namensträgern, die unter der eingangs erwähnten Assoziation gewiss regelmäßig zu leiden hatten, aber versichern, dass nicht zuletzt aufgrund des modernen, schönen Gebäudes und aufgrund dieser sehr würdigen, glaubenstiefen Festmesse vielfältige neue Gedanken bei uns deutlich in den Vordergrund getreten sind.

zu den Bildern

Downloads

Grußwort 30 Jahre Wendelinuskapelle (pdf, 179 KB)
Grußwort 30 Jahre Wendelinuskapellevon Pfarrer Stefan Meyer

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