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Zur „Quelle“ zurückfinden – die Schöpfung nicht ausbeuten –

Zu einem beeindruckenden Gottesdienst zum „Tag der Schöpfung“ hatte der Arbeitskreis Christlicher Kirchen (ACK) Main-Mömling-Elsava nach Mömlingen eingeladen. Dem ACK gehören 7 katholische, evangelische, griechisch-orthodoxe und rum-orthodoxe Gemeinden an, sowie die katholische Krankenhausseelsorge in Erlenbach.

„Wovon hast Du heute schon gelebt?“, fragte Diakon Seibert bei seiner Begrüßung die zahlreichen Mitfeiernden zum „Fest des Glaubens“. In der Schöpfungsgeschichte sagt Gott zu, dass wir von den Früchten der Erde leben können. Wir leben aber auch in und von der Gemeinschaft mit vielfältigen Menschen. Die Lesungen aus dem Alten Testament, sowie das Evangelium vom Senfkorn handelten vom Umgang mit der Schöpfung. Bei den einzelnen Gottesdienstteilen wechselten sich Vertreter der beteiligten Gemeinden ab. Das gemeinsam gebetete Nizäisch-Konstantinopolitanische Glaubensbekenntnis machte den gemeinsamen Ursprung deutlich.

Pater Martinos Petzelt ging in seiner Predigt auf die Schöpfung und unsere heutige Lebensweise ein:

Quelle des Paradieses beginnt am Altar
„Die Vision des Propheten Ezechiel, die wir als erste Lesung gehört haben, schenkt uns Freude und Zuversicht. Es ist zwar nicht das Paradies, das uns da versprochen wird, aber frische, gute Früchte das ganze Jahr, also ein gutes und gesundes Leben ohne Not. Aber schauen wir genauer hin: die Quelle dieses verheißenen Lebens mit seinen unendlichen Früchten ist der Fluss mit reichlich und vor allem gesundem Wasser. Und dieser Fluss hat seine Quelle im Tempel am Altar.

Solch gesundes Wasser wünschen wir uns, solche Tiere möchten wir sehen, solche Früchte essen. Wollen wir? Eine verräterische Formulierung. Eigentlich genauso wie „Die Umwelt“. Sind wir der Maßstab, sind wir der Mittelpunkt? Heilige Schrift und Kirche sprechen von der Schöpfung, nicht von der Umwelt! Das ist eine fundamentale Aussage. Würden wir nur die wunderbaren Bäume mit ihren herrlichen Früchten sehen, aber nicht daran denken, woher das Wasser kommt, hätte die Umwelt den Menschen als Orientierungsanker. Aber die Schöpfung lässt sich nicht ohne ihren Schöpfer denken. Freilich hat der Mensch eine besondere Stellung in der Schöpfungsgeschichte. Er soll  fruchtbar sein, sich vermehren, die Erde erfüllen und sie sich unterwerfen und über die Fische des Meeres, die Vögel des Himmels und alle Kriechtiere „herrschen“.

Nicht „herrschen“, sondern wie ein „Herr“ handeln
In der Septuaginta, der griechischen Version des Alten Testamentes steht nichts von Herrschen und Unterwerfen. Der Mensch soll Kyrios (Herr) sein, soll wie ein Herr handeln. So wie der Herr (Gott) selbst, soll auch der Mensch der Schöpfung gegenüber stehen. Wenn wir im Paradies leben würden, würden wir uns auch anders ernähren. Tatsächlich wurden dem ersten Menschen die Gräser und Früchte des Feldes und der Bäume zur Nahrung gegeben, wie in der Vision des Ezechiel. Erst nach der Sintflut werden auch die Tiere ausdrücklich als Nahrung genannt.

Gott sah, dass alles sehr gut war
Am Abend der Schöpfung hat Gott gesehen, dass alles gut war. Aber der Mensch hat gesündigt, ist ungehorsam geworden, hat das Paradies verloren und die ganze Schöpfung mitgerissen in seinem Fall. Aber es ist längst nicht mehr nur die Schuld des Adam. Der Blick in den Schmutz unserer Seele, die Erkenntnis unserer Leidenschaften, Triebe und Versuchungen, die Wahrnehmung unserer Sünden lässt uns auch unsere Schuld gegenüber der Schöpfung erkennen, deren Herr wir sein sollten, aber deren Tyrann und Ausbeuter wir geworden sind.

Ist der Mensch heil, wird auch die Schöpfung heil
Unsere Arbeit ist nicht, die Welt zu retten, sondern unsere Seele. Ist der Mensch heil, wird auch die Schöpfung heil. Der Herr erklärt uns im Evangelium diesen Weg ganz lapidar: Fasten und Gebet. Auch die Kirche leitet uns immer wieder dazu an, an bestimmten Tagen vegan zu leben, um uns an das verlorene Paradies zu erinnern und die Fastenzeiten als geistliche Erneuerung und körperliche Kur zu nutzen. Die Kirche verbietet keine Speisen, aber sie hält uns zum Maßhalten an. Aber dieses Maß ist uns im Westen längst verloren gegangen, weil wir jederzeit alles und im Überfluss haben können. Auch gesunde Nahrungsmittel haben wir längst zu ungenießbaren Hybriden ohne Geschmack und Nährwert deformiert.

Fasten als einen Schatz entdecken
Der orthodoxe Kirchenkalender für 2018 gibt 49 Fleischtage an. Natürlich wollen sich aufgeklärte Menschen nicht von der Kirche reglementieren lassen. Aber diese Regeln spiegeln eine Weisheit von Jahrhunderten, das nennen wir Tradition, das verstehen wir als einen Schatz, eine Richtschnur. Dies sollten wir nicht verächtlich abtun. Wahrscheinlich ist das aber unser Problem: die Fehler machen nur die anderen, auch in der Umwelt. Es sind die Konzerne, die Produzenten, die dummen werbegesteuerten Verbraucher. Aber wir? Wir sind ja die Aufgeklärten, die Bewussten.

Doch wir sind die Sünder. Wir freuen uns über die schönen Früchte, aber gehen nicht den Fluss entlang zur Quelle, geben Gott nicht die Ehre. Wir sollten nicht im Garten der Obstbäume ergriffen und verzückt stehen bleiben, sondern den Fluss erkennen, zur Quelle aufsteigen, am Altar niederknien und Gott allein die Ehre geben. Dann kommen wir zur Freiheit und Herrlichkeit als Kinder Gottes und die Schöpfung freut sich auf die Heilung, auf die sie wartet und hofft.

Nach dem Gottesdienst fanden sich die zahlreichen Gottesdienstbesucher zum Kennenlernen bei einem Imbiss und guten Gesprächen im Pfarrhof ein.

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