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Um das Prinzip der Inkardination zu verstehen, muss man bis zur Reformation oder noch weiter zurückgehen. Einer der begründeten Kritikpunkte der Reformatoren war das Überhandnehmen nur teilweise gebildeter und nur teilweise in Übereinstimmung mit den kirchlichen Autoritäten handelnder Kleriker mit zum Teil nur niedrigen Weihen. Gegen dieses Unwesen ging die Kirche bereits seit  Jahrhunderten in Konzilien vor (mit dem  Problem der "umherreisenden" Kleriker befasste sich bereits das Konzil von Nicäa, 325) – allerdings nicht erfolgreich.

 Im Rahmen der Gegenreformation wurde auf dem Konzil von Trient ( 1545 – 1563) daher u.a. eine Pastoralreform beschlossen  und die  Priesterausbildung als zentrales Anliegen des Konzils neu gestaltet. Es sollte eine einheitliche Lehre verkündigt werden. Daher wurde die Einrichtung diözesaner Seminarien unter Leitung des Bischofs zur Ausbildung von Priestern gefordert und die Pfarrei als Zentrum der Seelsorge gestärkt. Damit einher ging die Bindung neugeweihter Priester an eine Diözese und somit die Bildung eines Diözesanklerus. Damit war das Prinzip der Inkardination eingeführt.

 Der Begriff Inkardination stammt vom lateinischischen „Cardo“. So wie eine Türangel aufgehängt ist, muss der Kleriker einer bestimmten Gemeinschaft zugeordnet sein. Dies kann eine Teilkirche sein (z. B. Diözese), aber auch Ordensinstitute oder z. B. Personalprälaturen (derzeit nur Opus Dei) u. a. (vgl cc 265f , im folgenden stets cic 1983).

 Die Inkardination in eine Diözese erfolgt mit der Diakonweihe (cc 266 §§ 1-2). Für den Kleriker entsteht hiermit die Verpflichtung zum kirchlichen Dienst; zugleich aber auch ein Recht auf Verwendung im kirchlichen Dienst und ein Recht auf existentielle Absicherung, sowohl im Hinblick auf persönliche Betreuung als auch materielle Versorgung.

 Eine Uminkardination, wie im Fall von Pfarrvikar Kowalski,  von einer Diözese zu einer anderen, setzt voraus, dass der betreffende Kleriker, der Leiter des aufnehmenden und der des bisherigen Inkardinationsverbandes einverstanden sind.

In Concreto ist im vorliegenden Fall also seitens des Bischofs von Torun eine schriftliche Exkardination erfolgt. Eine von Pfarrvikar Kowalski beantragte Exkardination hätte nur aus schwerwiegenden Gründen abgelehnt werden dürfen (c 270). Der Bischof von Würzburg musste sodann prüfen, ob der Dienst von Pfarrvikar Kowalski für die Diözese Würzburg nötig oder wenigstens nützlich ist und ob der Bischof von Torun dem Herrn Pfarrvikar ein günstiges Führungszeugnis ausgestellt hatte. Sodann erteilte er sein schriftliches Einverständnis zur Inkardination (c 269). Erst durch dieses Einverständnis wurde die zuvor vom Bischof von Torun erteilte Exkardination wirksam (c 267 § 2). Damit wird verhindert, dass keine oder etwa zwei Diözesen für einen Kleriker zuständig sind.

 Dieses Prinzip wurde bereits im CIC 1917 (cc 111 ff) festgelegt. Allerdings hat es in der Geschichte der Inkardination durchaus Probleme gegeben: nach dem 2. Weltkrieg war es gerade in Deutschland nicht geeignet, die Probleme der aus den östlichen Staaten vertriebenen Priester zu lösen. Während das Bistum Würzburg schon 1949 den vertriebenen Priestern erlaubte, sich auf Pfarrerstellen zu bewerben und (allerdings mit dem Titel Pfarrverweser) dort finanziell den Pfarrern gleichgestellt tätig zu sein, war dies in anderen Diözesen nicht so großzügig geregelt und führte noch lange zu Diskussionen im Rahmen der Fuldaer Bischofskonferenz.

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