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Predigt von Pfarrer Stefan Kömm zum Jubiläum 50 Jahre Corpus-Domini-Kirche in Mömlingen –

Ich weiß nicht, ob Ihnen irgend etwas einfällt, was Sie schon hundert Mal probiert haben, aber es hat noch nie geklappt. Trotzdem probieren Sie weiter …

Wer regelmäßig Lotto spielt und auf einen Sechser hofft, der hat das schon gemacht. Wer als Sportler eine neue persönliche Bestleistung aufstellen will, der hat es wahrscheinlich auch schon hundertmal probiert und macht weiter, auch wenn es so oft nicht geklappt hat.

Nicht gerade hundertmal, aber doch schon mehrfach muss es wahrscheinlich jeder probieren, der bei irgend etwas Erfolg haben will: Ob man jetzt im Garten zum ersten Mal etwas Bestimmtes aussäen will, mal selbst eine Schwarzwälder Kirschtorte backen will oder als Vertreter oder Verkäufer irgendwas an den Mann oder die Frau bringen will. Ganz selten klappen Dinge auf Anhieb, und du musst es nochmal probieren: Als Kleinkind das erste Mal allein mit dem Löffel zu essen, als Jugendlicher einen neuen Highscore beim Spiel auf deiner Playstation oder Xbox zu erzielen oder ein neues Musikstück auf deiner Gitarre oder Trompete zu spielen, als Erwachsener das neue Programm am Computer zu installieren, oder als Senior nach der OP wieder zu lernen, alleine zu laufen.

„Komm, probier´s noch einmal!“ So beginnt deswegen oft ein fast hilfloser letzter Versuch, mit dem man sich selbst oder anderen Mut machen will, nach vielen Enttäuschungen und gegen alle Aussicht auf Erfolg die Flinte doch nicht ins Korn zu werfen.

„Komm, probier´s noch einmal!“, redet z.B. der Vater seiner Tochter beim Frühstück zu, die auch nach 50 Bewerbungen noch keine Lehrstelle gefunden hat. Und er hofft, dass sich seine Tochter wieder aufrafft, neue Bewerbungen an die Firmen zu schicken, auf die er gerade in der Zeitung unter den offenen Stellen gestoßen ist.

"Probiert´s nochmal!" Auch im heutigen Evangelium hören sieben Männer von einem Fremden diesen Ratschlag. Sie hatten sich nach dem Tod Jesu wieder aufgerappelt, sind zwar noch ohne große Kraft, haben aber den Willen, wieder gemeinsam zu beginnen. „Simon Petrus sagte zu ihnen: Ich gehe fischen. Die anderen sagten zu ihm: Wir gehen auch mit. Sie gingen hinaus und stiegen ins Boot.“ Aber ihr guter Wille wird nicht belohnt. Schon bei ihrer ersten gemeinsamen Aktion wieder ein Fehlschlag ins Wasser. Das Ergebnis: „Aber in dieser Nacht fingen sie nichts.“ Einfach zum Resignieren!

An diesem Evangelium fällt mir etwas auf. Wir hören meistens nur den Ratschlag Jesu an die Jünger: Probiert´s doch noch einmal! Werft eure Netze auf der rechten Seite aus! Wir überhören aber völlig, wie das Evangelium beginnt. Da heißt es: „Danach offenbarte sich Jesus seinen Jüngern noch einmal.“ Der, der den anderen diesen Ratschlag gibt: Probiert es noch einmal, zeigt selbst diesen langen Atem. Er hat sich doch schon zweimal gezeigt. Das Leben der sieben Jünger müsste sich längst geändert haben, müsste endlich ein neues sein. Und am Ende der Geschichte wird noch einmal ausdrücklich festgehalten: „Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte, seit er von den Toten auferstanden war.

Das heißt doch: Der Auferstandene am anderen Ufer kennt auch die Erfahrung: Du musst es nochmal machen. Immer wieder versucht er, ins Leben von Menschen einzutreten, sie zu begleiten, sich ihnen zu erkennen geben, sie seine Nähe spüren zulassen, sie neu zu motivieren. Er tut das aber mit einem ungeheuren Respekt vor dem Menschen und tritt keine Türen ein. Und hat oft damit keinen Erfolg. Auch ihm bleibt, wenn er mit uns Menschen zu tun haben will nur das: Noch einmal.

 Liebe Mömlinger, liebe Schwestern und Brüder!

Mit welchem Eigenschaftswort beschreibt man jemanden, der nicht so schnell aufgibt, der es immer und immer wieder versucht? Wir würden wahrscheinlich sagen: Der ist geduldig oder hartnäckig. Das griechische Neue Testament kennt für diese Haltung ein, wie ich finde, noch viel schöneres Wort. So jemand ist makro-thymos. Ins Deutsche meist übersetzt mit: Langmütig. Man könnte auch übersetzen: Jemand mit einem großen Mut oder jemand mit einem langen Atem.

Langmut, schreibt Paulus einmal, ist eine Frucht des Heiligen Geistes. Und in seinem Hohenlied der Liebe schreibt er: Die Liebe ist makrothymos, langmütig.

Der Auferstandene hat diese Liebe und ist selbst langmütig. Er kommt auch noch ein drittes Mal, wenn es nötig ist. Und er steckt die Jünger an, es noch einmal zu versuchen, gegen alle Wahrscheinlichkeit, das Netz noch einmal auszuwerfen.

Ich bewundere diese Langmut, diese Geduld, des Auferstandenen. Heute, am Fest Peter und Paul, bewundere ich auch die Langmut und das Durchhaltevermögen, dieser beiden großen Apostel. Ohne wie wären wir wohl keine Christen. Wie viele Rückschläge haben beide hinnehmen müssen und haben trotzdem nicht aufgesteckt.

Als Gast in meiner Praktikumspfarrei Mömlingen bewundere ich heute aber auch die Makrothymia, den langen Atem, den ich hier in Mömlingen finden konnte und kann. Ich staune darüber, wie viele von damals, vor über 20 Jahren, auch heute noch dabei sind und Zeit, Mühe, Energie, Ideen, einbringen in ihre Pfarrgemeinde, für ihren Glauben. Ich finde es toll, dass so viele seit über zwanzig Jahren hier im Eine-Welt-Laden mitarbeiten und sich einsetzen für mehr Gerechtigkeit weltweit. So viele schon seit Jahrzehnten für die Partnerschaft mit Tansania!

Ich bin jetzt selbst Praktikumspfarrer und bei mir ist auch zurzeit ein Praktikant, der sich auf Diakonenweihe und Priesterweihe vorbereitet. Manchmal komme ich im Gespräch mit ihm auch auf Mömlingen zu sprechen und meine Praktikumszeit. Ich bin bis heute immer wieder dankbar, dass Mömlingen meine Praktikumspfarrei war, ich bin bis heute dankbar für das, was ich hier lernen konnte, von Pfarrer Karl Schüssler, aber auch von euch, von Ihnen allen.

Danke vor allem für alle Makrothymia, Geduld, Hartnäckigkeit, Durchhaltevermögen, Dabeibleiben - wie immer man es nennen mag! Darin seid ihr den Aposteln Petrus und Paulus ganz ähnlich. Ja, darin zeigen wir etwas vom Auferstandenen selbst.

Darum wünsche ich euch allen für die kommende Woche und für die kommenden Jahre viel Geduld und Durchhaltevermögen, vor allem aber Makrothymia, langen Atem.

 Stefan Kömm

 (Bilder von der Begegnung finden Sie in der Bildergalerie).

 

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