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Bilderausstellung mit Zeitzeugen –

Ca 60 Personen nahmen das Angebot von Pfarrgemeinderatsvorsitzendem Harald Müller am 16.5.2015 nach der 17.00 Uhr Messe in St. Peter und Paul an und blieben in der Kirche, um sich von Zeitzeugen die Ereignisse rund um den Kirchenneubau vor 50 Jahren erzählen zu lassen.

Die von Marion und Heinz Janson zusammengestellten Bilder und Berichte wurden mittels Beamers an die Wand geworfen, so dass alle gleichzeitig dasselbe Bild betrachten konnten. (ein paar Bilder). Heinz Janson erzählte, dass er sich sehr gefreut habe, verschiedene, mittlerweile verstorbene Freunde und Bekannte auf den Bildern wiederzusehen. Er und seine Frau hätten bei der Zusammenstellung auf eine vergleichbare Ausstellung des Ehepaares Elisabeth und Robert Sattler vor 10 Jahren zurückgreifen , Unterlagen des Heimat- und Verkehrsvereins beiziehen und von vielen Privatpersonen Bilder- und Textmaterial bekommen können.

Zeitzeugen berichteten sodann, dass 4 Mitglieder des Kolpingvereins in 2 Wochen das alte Pfarrhaus abgerissen hätten.

Erich Reis erläuterte, er sei beim Abriss der alten Kirche dabei gewesen. Die Grundsteinlegung habe sich deshalb verzögert, weil es seiner Erinnerung nach Probleme mit der Statik gegeben habe. Daher stehe auf dem Grundstein „1964“, obwohl es 1965 gewesen sei.

Über großes Wissen bezüglich der Ereignisse von damals verfügt Dr. Hefner. Er erläuterte, dass er von Pfarrer Janik, der erkrankt gewesen sei, beauftragt wurde, alle Bestandteile der alten Kirche zu verkaufen, die sich zu Geld machen ließen. So habe er die Kreuzwegstation an die Großwallstädter Kirche verkauft und die Säulen der Empore an das Darmstädter Schloss, das damals wiederaufgebaut wurde. Die vergoldeten Leuchter habe er zu DM 200,- bis DM 300,- das Stück veräußert.

An sich sollte der bekannte Dombaumeister Hans Schädel aus Würzburg die neue Kirche planen. Er habe, wie es damals modern gewesen sei, ein Flachdach geplant. Mehrere Entwürfe dieser Art seien jedoch am Regierungsdirektor in Würzburg (Bauamt) gescheitert. Dieser habe die Auffassung vertreten, ein Flachdach passe nicht nach Obernburg. Dann habe Herr Schädel keinen anderen Plan erstellen wollen, weswegen er den jungen Kollegen Lothar Schlöhr empfohlen habe, dessen Entwurf letztlich genehmigt und ausgeführt wurde.

Die Kirche wurde als Gesamtkunstwerk konzipiert; der Altar stammt aus Granit des Steinbruchs des ehemaligen KZ Flossenbürg. Der Fußboden bestehe ebenfalls aus Straßenpflaster, um den Weg nach Rom zu symbolisieren. Ursprünglich habe der Architekt aufwendige Fenster geplant, die jedoch mit ca DM 25.000,- für die Pfarrgemeinde zu teuer gewesen seien. Daher sei ein Studienkollege von Dr. Hefner, Hans Dumler, der als freiberuflicher Graphiker tätig gewesen sei, beauftragt worden. Er habe die drei Mittelfenster als Darstellung von Gottvater, Sohn und heiligem Geist konzipiert. Eine abstrakte Darstellung von Gott werde eigentlich der Bibel gerechter, da niemand wisse, wie Gott aussehe. Die Fenster seien bleigeschwärzt worden, weil dies sehr preiswert gewesen sei. Die Farben in den Fenstern seien so angeordnet, dass je nach Sonnenstand ein anderes Muster in der Kirche zu sehen sei. Auch die alte Orgel sei von dem Architekten entworfen worden.

Beim Abriss der alten Kirche seien Gebeine gefunden worden, weil früher der Friedhof mitten in der Stadt gewesen sei und das Beinhaus in der Nähe der Kirche gestanden habe.

Gut konnte Dr. Hefner sich noch an die Krippe erinnern. Nachdem Pfarrer Hefner sie geschnitzt habe, sei sie immer während des Advents am Mutter Gottes Altar aufgebaut worden. Pfarrer Hefner habe in den 30ern Israel besucht und viele Fotos gemacht, so dass seine Krippenlandschaft authentisch sei. Nunmehr steht sie in der Unterkirche.

Auch die Herkunft der Mutter Gottes Staue neben dem heutigen Altar konnte Dr. Hefner aufklären: Jemand habe sie Pfarrer Hefner zum Restaurieren gegeben, der sie dann nicht wieder zurückgegeben hätte. Heute wollte er jedoch nicht erzählen, wer das gewesen sei.

Als nächster Zeitzeuge wurde der Schreinermeister Reichert von Pfarrgemeinderatsvorsitzendem Harald Müller interviewt. Er hat als damals 33jähriger mit 7 Mitarbeitern das Kirchendach errichtet. Damit war sein Betrieb 1 Jahr lang beschäftigt. Er hatte beeindruckende Bilder der Konstruktion mitgebracht. 18 Meter lange Träger seien erforderlich gewesen. Zwischen vorne und hinten gebe es eine Differenz von 40cm. Beim Richtfest hatte es geschneit, so dass Schnee im Kircheninneren gelegen habe. Das Dach sei bis zur Spitze 8 Meter hoch, und 8 Meter über dem Grund begännen die Fenster, so dass die lichte Höhe der Kirche 16 Meter betrüge. Nachdem das Holz eingebracht worden sei, habe Feuchtigkeit Teile davon zerstört, so dass die Verkleidung wieder ausgetauscht habe werden müssen. Ausgeschrieben worden sei Fichte; er habe jedoch Douglas genommen.

Bei der Einweihung seien erst 8 Bankreihen geliefert gewesen, weswegen nur die Honoratioren und Kommunionkinder sich setzen durften; die übrigen mussten stehen.

Harald Müller erfuhr, dass zahlreiche der Anwesenden bei der Einweihung dabei gewesen seien und sich noch gut erinnern konnten. Gemeinsam wurden die Fotos betrachtet und die Honoratioren benannt: Leitende Mitarbeiter der Glanzstoff Werke, Mitglieder der Bezirksregierung und der Diözese. Herr Otto Spilger sen., Herbert Klimmer, Leo Hefner, Familie Ballmann und viele mehr wurden auf den Bildern erkannt. Wichtig war dem Pfarrgemeinderatsvorsitzenden, darauf hinzuweisen, dass die Lampen in der Kirche seit 50 Jahren unverändert seien.

Müller beendete sodann den öffentlichen Teil und lud alle ein, vor der Kirche bei einem kleinen Empfang noch etwas in Erinnerungen zu schwelgen und mitgebrachte Fotos zu zeigen und zu bestaunen.

Ein herzliches Dankeschön allen, die mit ihren Erzählungen für uns „Nachgeborene“ die Geschichte lebendig werden ließen!

zu den Bildern

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