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Predigt von Domvikar Paul Weismantel zum Jubiläum 50 Jahre Corpus Domini Kirche in Mömlingen –

Liebe Mitchristen, Schwestern und Brüder im Glauben.

Wer einen runden Geburtstag feiert überlegt sich in der Regel vorher, wie er ihn feiert,  wen er einlädt und wo er ihn feiert. Ob er die Gäste bittet, nicht nur viel Hunger und Durst , sondern auch einen humorvollen Beitrag, einen Schwank oder eine Geschichte aus dem eigenen Leben mitzubringen. Und ich glaube, wir kämen aus dem Staunen, dem Lachen , dem Heulen nicht so schnell heraus, wenn einige von Ihnen erzählen würden, was sie alles in diesen 50 Jahren hier in dieser Kirche erlebt haben. An Wunderbarem, im wahrsten Sinne des Wortes , wunderbaren Gottesdiensten. Manche Menschen meinen ja, es gäbe keine Wunder mehr. Immer geschieht das größte Wunder der Menschheit, wenn Christus in unserer Mitte gegenwärtig wird, in der heiligen Eucharistie  - und wenn sich Menschen in seinem Namen versammeln. Wir würden aber vielleicht auch in Tränen ausbrechen, wenn wir hören würden, welch grausame Ereignisse hier auch zu begehen waren. Menschen die durch Suizid aus dem Leben gegangen sind, junge Menschen, die durch einen Autounfall ums Leben gekommen sind, wo sie nichts dafür konnten. Andere, die vielleicht auch durch ihr eigenes Versagen, durch zu schnelles Fahren, durch Leichtsinn, oder andere Gründe sich und andere in Gefahr gebracht, sogar um ihr Leben gebracht haben. Wir würden staunen, wie viele Kinder hier das Sakrament der Taufe empfangen haben und so vom jeweiligen Taufspender, dem Diakon oder Priester gesagt bekommen haben: du bist ein Kind Gottes, ein Original, einzigartig und einmalig. Es gibt dich kein zweites Mal auf der ganzen Welt. Es hat dich nicht gegeben und es wird dich niemals wieder geben. Nur du allein bist du, ein Kind Gottes. Wie viele Ehepaare sich hier das Sakrament, das Jawort für ein gemeinsames Leben geschenkt, sich einander anvertraut und aneinander gebunden haben um der Liebe willen. Um gemeinsam durchs  Leben zu gehen und in der Kraft Gottes  und des Sakramentes ihr Leben gemeinsam zu meistern und zu bewältigen. Wie viele junge Menschen hier im Sakrament der Firmung die Stärkung durch den Hl. Geist erfahren haben, wobei bei manchen die Begeisterung nur kurzfristig gelebt hat und dann wieder eingeschlafen ist. Manchmal gehören auch Strohfeuer oder Eintagsfliegen zur Geschichte des Glaubens und der Kirche. Aber wer weiß, was im Grunde ihrer Seele und ihres Herzens dennoch an Eindruck zurück bleibt. Und kein Sakrament bleibt ohne Wirkung, weil es nicht unsere Erfindung ist, sondern Gottes Erfindung und weil der Himmel sich manchmal göttlich ausschenkt, trotz all der Schreckens- und Gräueltaten, die die Menschen immer wieder neu ersinnen, erspinnen und erfinden.

Ich schenke in diesem Jahr einigen Brautpaaren die ich trauen darf, es sind insgesamt zwölf, ein kleines Buch. Da steht außen drauf: „Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz“, ein Wort Jesu aus dem neuen Testament. Und in der deutschen Sprache  sind die Worte wo „tz“ vorkommt, besonders spritzig, wichtig, witzig. Das Wort „Platz“, das Wort „Witz“, das Wort „Hitze“, das Wort „Glatze“. Ja da zischt es so richtig. Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.  Und wenn Menschen so miteinander umgehen, dass einer dem andern immer wieder verdeutlicht, du bist ein Schatz, da ist viel fürs Leben  gewonnen. Kürzlich sagte mir eine glückliche Großmutter, es ist wirklich so, wie Sie es gesagt haben: Ein Enkelkind ist ein Geschenk des Himmels, ein Schatz. Und ihre Augen haben geleuchtet und gestrahlt wie die Sterne am nächtlichen Himmel. Ja, so ist das, wenn Menschen einander wertschätzen. Und in diesem Buch, das ich den Eheleuten schenke, da stehen keine Kochrezepte, da stehen auch keine Verhaltensregeln. Ich sag  ihnen schon immer, sie sollen sich abschminken, einander erziehen zu wollen. Manchmal kann man vielleicht mit viel Geschick, Geduld und Fantasie auch ein bisschen mitwirken, dass der Partner sich entwickelt, aber bitte nicht erziehen wollen. Das kommt meistens nicht gut an. Aber ich sage ihnen, schreiben sie immer wieder einmal in dieses Tagebuch Ihrer Ehe hinein, worüber sie sich gefreut haben, wofür sie dem Partner danken, was sie sich von ihm wünschen, oder worum sie ihn bitten. Ein Kompliment (das Essen gestern war ausgezeichnet) oder eine Frage (Schatz, gestern war aber unser Hochzeitstag. Ich habe aber gar keinen Blumenstrauß gesehen - damit er ihn natürlich noch nachbringen kann). Geschichten aus dem Leben, damit Eheleute miteinander im Gespräch bleiben. Und manchmal ist da so ein kleiner Notizblock und ein Stift dazu besser, als ein Pfund Gedächtnis, wo man den anderen erinnert, ihm dankt, sich was von ihm wünscht. Wir könnten doch mal wieder ausgehen oder Freunde einladen oder gemeinsam etwas unternehmen oder erzählen, wie es damals war als es zwischen uns beiden angefangen hat zu funken und wo der Funke übergesprungen und zum Feuer geworden ist, das auch nach 20, 30 und 40 Jahren noch brennt, jedoch anders als ganz am Anfang. Tiefer, inniger, aber nicht erloschen. Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz. So auch wenn Menschen in ihrem Leben den andern, sich selbst und ihren Glauben zu schätzen wissen. Ich habe immer wieder auch gehört, von Schwerkranken, auch krebskranken Menschen, die gesagt haben, bei allen Sorgen und  aller Belastung und all dem Schlimmen, was da durch ihre Krankheit  in ihr Leben gekommen ist: ich habe gelernt, für vieles dankbarer zu sein. Es mehr wert zu schätzen, wenn ich am Morgen aufwache und mir nichts weh tut. (Es soll auch Leute geben, ab meinem Alter, die überlegen sich morgens, zu welchem Doktor sie heute gehen könnten, oder was ihnen weh tut. Oder eine Frau ruft an: Herr Doktor, ich kann heute leider nicht kommen, ich bin krank). Wertschätzend miteinander umgehen, um zu wissen, was ich am Anderen, am Leben, an mir selbst, an meinem Glauben habe. Und was dem Menschen etwas wert ist, pflegt er auch entsprechend. Ein Friseur in Würzburg wirbt mit dem Slogan: Das bin ich mir wert. Ich habe es da (mit meiner Glatze) etwas einfacher mit der Pflege der Frisur, als andere Menschen. Wertschätzend mit sich und dem Leben umzugehen, indem man sich selbst auch etwas gönnt, indem man gut mit sich und anderen umgeht. Viele gehen auch schlecht mit anderen um, weil sie mit sich selbst oft innerlich in Zwiespalt oder auf Kriegsfuß stehen.

Liebe Schwestern und Brüder,

das Jahr 2013, ein Wahljahr, ein Jubiläumsjahr und die erste große Wahl ganz überraschend: die Papstwahl am 13.3.13, nachdem Papst Benedikt am 11.Februar überraschend seinen Rücktritt erklärt und angekündigt hat. Und dann kam Papst Franziskus, im Jahr des Glaubens, 50 Jahre nach dem Beginn des Konzils. Im Juni waren es 50 Jahre, dass der selige Papst Johannes XXIII. gestorben ist, der mit viel Elan, mit viel Mut und Leidenschaft und Aufbruchsstimmung das Konzil ausgerufen und begonnen hat. Am kommenden Montag dürfen wir den 100. Geburtstag des sehr verdienten fränkischen Sohnes Kardinal Julius Döpfner feiern, der als Berater mitgewirkt hat, das Konzil voran und auf den Weg zu bringen. Und der die Umsetzung des Konzils für Deutschland mit der gemeinsamen Synode der Bistümer in Würzburg weitgehend geprägt und dort den Vorsitz geführt hat. Ich durfte als Schüler in der 11. Und 12. Klasse in der damaligen Aula, es war ja der Dom, immer wieder Papiere verteilen. Das war eine ganz besondere Stimmung. 50 Jahre seit Beginn des Konzils, 40 Jahre seit der Synode und so fragen viele: Was ist daraus geworden? Es ist manches Gute daraus geworden, es ist manches auf der Strecke geblieben oder unter die Räder gekommen. Wir haben vieles noch lange nicht umgesetzt. Darum hat das Bistum München-Freising zu diesem Jubiläum eine Karte herausgebracht. Da steht drauf: Fertig sind wir noch lange nicht! Und dann heißen die Stichworte: Öffnung zur Welt, Zeichen der Zeit erkennen, den Menschen mehr in den Mittelpunkt stellen, ökumenische Öffnung, interreligiöser Dialog, Religionsfreiheit, aktive Mitfeier des Gottesdienstes, jeder ist berufen, jeder ist wichtig, Volk Gottes Unterwegs. Und vieles von dem, was da auf der Karte steht, das haben Sie hier in Mömlingen begonnen, das haben Sie angepackt und auf den Weg gebracht. Und manches gibt es noch zu tun, wo Sie sich weiterhin anstrengen, hineinknien müssen. Wenn wir dem Beispiel Jesu folgen wollen, der am Abend vor seinem Sterben den Jüngern die Füße gewaschen hat, müssen wir uns hineinknien in das, was es heißt, den Menschen von unten her und auf Augenhöhe zu begegnen und sie nicht von oben herabzukanzeln, abzuspeisen oder abzufertigen. Und da haben wir für mich erstaunlich in diesem neuen Papst ein überzeugendes, ein sehr echtes und glaubwürdiges Vorbild. Es ist zu wenig, wenn immer nur gelobt wird, wie gut er ankommt - beim Weltjugendtag in Brasilien, in der ganzen Welt. Nein, wir Christen, ich ganz persönlich muss das, was er uns sagt auch umsetzen, auch über das Nachdenken dies in mein eigenes Denken und Verständnis von Kirche und Glaube übernehmen. Ich möchte Ihnen drei kurze Abschnitte vorlesen von dem was mich sehr berührt hat, als ich es gelesen habe von diesem unserem Papst Franziskus. Sie wissen ja, er ist von Haus aus Jesuit und er hat als Papstnamen den Namen des Franziskus von Assisi gewählt, der die Kirche maßgeblich durch seine Armutsbewegung erneuert  und vorangebracht hat. Diese Namenswahl fand starke Beachtung. Während der  Ansprache an die Pressevertreter und – vertreterinnen erklärte er sie so:

„Bei der Wahl saß neben mir der emeritierte Erzbischof von Sao Paulo und frühere Präfekt der Kongregation für den Klerus Kardinal Claudio Cumes, ein großer Freund. Als die Sache sich etwas zuspitzte, hat er mich bestärkt und als die Stimmen 2/3 hatten, erscholl der übliche Applaus, dass der Papst gewählt war. Er umarmte, küsste mich und sagte mir: Vergiss bitte die Armen nicht. Und da setzte sich dieses Wort in mir fest, in meinem Herzen. Ja, die Armen. Dann sofort habe ich in Bezug auf die Armen an Franz von Assisi gedacht, dann habe ich an die Kriege gedacht. Während die Auszählung voranschritt bis zu allen Stimmen. Und Franziskus ist der Mann des Friedens. So ist mir der Name ins Herz gedrungen und gelegt worden: Franz von Assisi. Er ist für mich der Mann der Armut, der Mann des Friedens, der Mann, der die Schöpfung Gottes über alles geliebt und bewahrt hat und uns auch dazu auffordert. Gegenwärtig haben auch wir eine nicht sehr gute Beziehung zur Schöpfung.Er ist der Mann, der uns diesen Geist des Friedens gibt, der Armut. Ach wie möchte ich eine arme Kirche für die Armen in unserer Welt und Zeit“.

Und dann noch etwas aus dem Konzil, was man viele Jahre gar nicht gehört, vielleicht an manchen Stellen auch verschwiegen hat. Nämlich aus der Schule des Franziskus. Nicht zu übersehen ist, aus welcher Schule Franziskus kommt. Seine Worte erinnern an Dokumente zur Versammlung von Medellin 1968. Da hatte die lateinamerikanische Kirche ihr Damaskus-Erlebnis. Die koloniale Kirche Lateinamerikas nimmt den Schrei der Armen auf und bekennt sich zur Armut der Kirche. In dem entsprechenden Dokument heißt es: Eine arme Kirche nimmt folgende Haltung ein: Sie klagt den ungerechten Mangel der Güter dieser Welt und die Sünde an, die ihn hervorbringt. Sie predigt und lebt die geistliche Armut als Haltung der geistlichen Kindschaft und Offenheit Gott gegenüber. Medellin wiederum verweist zurück auf den Katakombenpakt. In diesem Katakombenpakt haben sich Bischöfe und Kardinäle für eine arme und dienende Kirche ausgesprochen. Papst Johannes XXIII. hatte dazu inspiriert, als er vor der Eröffnung des II Vatikanischen Konzils sagte: Die Kirche ist die Kirche aller. Vornehmlich aber die Kirche der Armen. Dieser Pakt wurde in den Domitilla-Katakomben am 16.11.1965 also wieder vor fast 50 Jahren von 40 Bischöfen unterschrieben. Später schlossen sich noch rund 100 weitere an. In dieser ihrer Erklärung sagen sie: Wir werden uns bemühen, so zu leben, wie die Menschen um uns herum üblicherweise leben. Im Hinblick auf Wohnung, Essen, Verkehrsmittel, alles was sich daraus ergibt. Wir verzichten ein für allemal darauf, als Reiche zu erscheinen, wie auch wirklich reich zu sein. Insbesondere in unserer Amtskleidung und in unsern Amtszeichen, die nicht aus Gold, noch aus Silber gemacht sein dürfen sondern wahrhaft und wirklich dem Evangelium entsprechend einfach sein sollen. Der Name ist Programm: Franz - Franz von Assisi, der Mann der Armut und des Friedens. Der Katakombenpakt, wo Bischöfe sich darauf einigen, eine Kirche für die Armen zu sein. Eine Kirche, die den Armen dient, und sie nicht bevormundet und nicht beherrscht und sie nicht ständig da oder dorthin treibt, sondern die mit ihnen gemeinsam die Botschaft Jesu hört, auch die anspruchsvollen Sätze und Zeilen. Auch das was uns nicht einfach nur beruhigt, beschwichtigt und tröstet, sondern das, was uns zum Stachel im Fleisch wird. Damit wir das Evangelium nicht um seine Kraft bringen, sondern seine Leidenschaft, sein Feuer, seinen Geist leben und durch unser Leben bezeugen, was da alles drinnen steckt. Was Jesus uns da als Wanderprediger für die Kleinbauern, die Armen, die Menschen geschenkt und gegeben hat, die auf der Suche nach der Wahrheit sind und die der Stimme ihrer Sehnsucht folgen. Hier und überall. Amen.

Bilder vom Gottesdienst finden Sie in der Bildergalerie.

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